Tuesdate-Kolumne #7 // Zwischen Fashion Week und Klimaschutz
Das wohl gefragteste Mode-Event in Deutschland läuft wieder auf Hochtouren. Es ist Fashion Week! Und wer darf neben den ganzen Stars & Sternchen natürlich auf keinen Fall fehlen? Richtig: Unsere Fashion-Lifestyle Blogger.
Sorry – Content Creator! Entrepreneur! Girlboss!
Da fliegen sie in Scharen durch halb Deutschland um ein paar Fetzen Stoff anzusehen, wobei doch gerade heutzutage alle auf Klimaschutz plädieren. Wie war das nochmal mit dem CO2-Ausstoß? Wie war das nochmal mit “Wir müssen alle was tun und dazu beitragen”? Wir Normalverbraucher sind mit Sicherheit nicht das größte Problem.
In der Modewoche zählt nicht dein menschlicher Wert. Es interessiert niemanden, was du für eine Persönlichkeit hast. Es zählen deine Statistiken und Followerzahlen – denn nur damit kannst du in dieser Branche mithalten. Kannst du diese nicht liefern wirst du nett zum Ausgang begleitet.
Es ist paradox. Auf der einen Seite wollen alle auf den Zug vom “healthy lifestyle” aufspringen und vegan leben – weil: Umweltschutz und Tierliebe. Auf der anderen Seite möchte aber keiner auf die FashionWeek verzichten. Schließlich kann man hier ja so viele Leute treffen und gesehen werden. Verlinkungen. Goodiebags erhalten. Was hier an Verschwendung an den Tag gelegt wird rückt da ziemlich schnell in den Hintergrund.
Normalerweise mag ich keine Menschen, die nur in schwarz/weiß denken. Hier muss ich aber sagen geht es kaum anders. Man kann nicht einerseits eine radikale Richtung einschlagen und vegan leben und gleichzeitig alle 3 Wochen in den Flieger steigen. Man kann nicht einerseits auf fair produzierte Mode Wert legen, aber gleichzeitig sich in Massen von sämtlichen Firmen beschenken lassen. Vorallem aber kann man nicht über die Zustände in anderen Ländern sprechen und versuchen sich politisch einzubringen (Schlagwort Brände in Australien) und gleichzeitig keinen grammatikalisch ordentlich Satz zustande bringen.
… und ja, es gibt mit Sicherheit Modelabels die fair produzieren und ebenfalls auf der Fashion Week dabei sind. Die “NeoNyt” beispielsweise macht sich gerade im Bereich Umweltschutz ihren Namen. Aber sind wir doch mal ehrlich: Die Shows werden sicherlich nicht anhand dieser Kriterien abgewogen. Hier achtet auch fast niemand darauf, ob das Leder der neuen Boots echt ist oder nicht. Hauptsache sie werden auf dem neuen Bild ordentlich in Szene gesetzt und es sprudelt Geld in die Kasse. Am besten gibt es im Nachhinein noch einen “SWIPE-UP” Link zum Nachkaufen mit utopischen Preisen, die sich kein Normalsterblicher leisten kann und möchte.
Übrigens: In anderen Ländern wurde Veganismus & die Fashion Week bereits kombiniert. Das ändert vielleicht die Nachfrage an tierischen Produkten, aber nicht die Charaktereigenschaften und den Konsum von Menschen.