Tuesdate Kolumne #10 // Zwischen beach, body & Dehnungsstreifen
Es ist Anfang März und eigentlich noch viel zu kalt draußen um an Strand und Bikinis zu denken. Ich bin gerade erst aufgestanden, da klingelt es schon an der Tür. Ich nippe an meinem Kaffee, öffne die Tür und meine Freundin stürmt an mir vorbei. “Wow, du hast es aber eilig. Wieso bist du denn so hektisch?”, frage ich sie.
“Wir müssen ganz dringend shoppen gehen. Jetzt. Zieh dir was an und dann gehen wir los”, zischte sie zurück. Ohne großartig überlegen zu können – und ich glaube, ich hätte auch keine andere Wahl gehabt – warf ich mir ein Shirt über, trug etwas Mascara auf und folgte ihr aus meiner Wohnung in die Stadt.
Im ersten Laden angekommen schnappten wir uns ein paar Bikinis und verschwanden in der Umkleidekabine. Abgesehen von diesem schlimmen Licht und den unvorteilhaften Spiegeln war ich eigentlich ganz zufrieden mit meiner Ausbeute.
Ganz im Gegensatz zu meiner Freundin. “Sag mal, werden die Höschen immer kleiner oder meine Hüften breiter? Es zwickt und spannt überall, das kann doch nicht wahr sein.”, motzte sie. Ich sah sie verständnislos an, rollte meine Augen und versuchte ihr mal wieder klar zu machen, dass sie wunderschön ist so wie sie ist. Was sind schon ein paar Dehnungsstreifen, Hüftspeck und schlaffes Gewebe! 
Ich frage mich, woher kommen diese Selbstzweifel? In Zeiten von instagram & Co. ist es sicher nicht immer leicht zu sich selbst zu stehen. Wir sehen jeden Tag tausende Profile und Mädels mit wahnsinnigen Körpern und vermeintlich tollen Lebensstilen. Dass diese Fotos das Ergebnis eines Shooting-Marathons und Photoshop sind blenden wir dabei aus.
Wir selbst sind unsere schärfsten Kritiker. Wir schauen an uns herunter und finden irgendwo immer etwas zu bemängeln. Mal sind es die zu breiten Hüften, mal der zu dicke Hintern. Uns kommt es so vor, als würden auch alle anderen Menschen diese “Makel” an uns sehen, dabei sind diese für andere so unglaublich irrelevant. Was wir an uns nicht mögen, finden andere wiederum toll.
Oft ist es nur die Gesellschaft und die Werbebranche, die deine Gedanken so manipuliert haben. Faltencreme ab 30 und Bodylotion gegen Cellulite. Die Kosmetikindustrie preist uns jeden Tag sämtlich Produkte an, die uns schöner machen sollen. Schön liegt zum Glück immer noch im Auge des Betrachters.
Aber genau das sind alles Gründe dafür, wieso wir uns manchmal einfach nicht genug fühlen. Ich habe Falten auf der Stirn, weil ich ein nachdenklicher Mensch bin und 300 Mal am Tag Situationen durchspiele. Ich habe Cellulite, weil ich von einem Mädchen zur Frau geworden bin und mich niemals unter Diät gestellt habe. Ich habe diese Speckröllchen, weil ich das Leben liebe und es zu kurz ist um auf gutes Essen zu verzichten.
Es ist traurig, dass wir Frauen immer wieder damit konfrontiert werden ein “perfektes” Bild in der Gesellschaft abgeben zu müssen. Was ist perfekt? Wer sagt was perfekt ist? Gibt es das überhaupt? Überall werden uns unrealistische Diäten angepriesen und wie man in 30 Tagen den ultimativen Sixpack bekommen soll. Es wäre schön, wenn endlich mehr zu sich selbst gestanden wird als sich jeden Tag den Kopf darüber zu zerbrechen etwas zu verändern. Du brauchst keinen Beachbody – du hast bereits einen! Nimm also deinen body und setz dich an den beach. Cheers.