Herbstromantik

GGerade eben standest du noch am Schwimmbeckenrand. Wusstest noch nicht genau, ob du springen sollst oder nicht. Wusstest nicht, ob die Wassertemperatur schon so angenehm ist um deinem Körper damit zu erschrecken. Und ehe ich dir zuwinken möchte, bist du plötzlich weg. Und ich fange an mich allmählich in Luft aufzulösen.

Wo sind wir hin? Ich mache die Augen auf und blinzle. Einmal. Zweimal. Es war nur ein Traum. Ein Traum von lauen Sommernächten und heißen Küssen.
Ich sehe auf die Uhr. 19:26 Uhr. Dunkelheit. Wie kann das sein, denke ich und ziehe meine Vorhänge auf. Es ist Herbst geworden. Laub, bunte Bäume und Regenschirme. Das alles nehme ich wahr, wenn ich aus meinem Fenster im 4. Stock auf die Straße blicke. Es ist, als wäre für einen kurzen Moment alles stehen geblieben. Ich war doch verabredet – mit ihm. Im Schwimmbad. Doch alles nur blühende Fantasie, auch wenn ich den Beat der Party noch in den Ohren habe.

Ich schnappe mir meinen Mantel, ziehe die Wildlederboots an und ziehe die Tür hinter mir zu. Ich schlendere durch die Straßen und außer den Laternen und ein paar vorbeiziehenden Autos ist es finster. Ausgesprochen ruhig. Kein Geschrei von Kindern, die sich auf den Spielplätzen jagen. Kein Straßenmusikant, der doch sonst immer vor dem Juwelier sitzt und mein Lieblingslied spielt.

Ich schlendere am Ufer entlang und blicke in die Ferne. Versuche die Eindrücke in dieses goldenen Herbstes aufzunehmen und atme tief ein. Jetzt erst wird mir bewusst, dass auch dieses Jahr sich langsam dem Ende neigt. Dass wir den Sommer mit den letzten schönen Tagen verabschieden müssen um ihn im nächsten Jahr wieder zu empfangen. Ein dumpfer Aufprall holt mich zurück aus meinen Gedanken. Kastanien schlugen am Boden auf und kullern nun den Weg entlang. Ich zücke mein Handy um den Moment einzufangen, doch auf dem Display erscheint eine neue Nachricht.

“Wo bleibst du denn – ich bin draußen vor dem Schwimmbad und warte auf dich.”

Ich lächle. Der Sommer ist zwar gegangen, aber du bist immer noch hier um ein neues Kapitel mit mir zu schreiben.

“Ich bin gleich da”,
antworte ich und laufe so schnell ich kann zurück.