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Hello November

Wie jedes Jahr schleichst du dich klammheimlich an. Versteckst dich hinter uns und schaust nur in den Abendstunden kurz vorbei. Anfangs bemerken wir kaum eine Veränderung. Laufen weiter. Nehmen unsere Umwelt nicht wahr. Nicht wirklich. Sehen nicht, wie sich Tag für Tag jede einzelne Faser der Blätter Stück für Stück verfärbt. Langsam. Fast unheimlich. Bemerken nicht, dass wir Tag für Tag eine Minute Tageslicht verlieren. Wir realisieren kaum, dass aus dem saftigen grün schon bald Kupfer entsteht. Und die letzten Blumen den Kampf aus der Erde bereits hinter sich haben.

Wenn der letzte, lange Sommerabend zu Ende geht, wir unsere Decken zusammenfalten, das Lagerfeuer auspusten und in das Auto steigen – dann beginnt etwas Neues. Wir verabschieden uns von nassen Füßen auf den Freibadsteinen und zu viel Sonnenöl auf den Schultern. Spüren den ersten Wind hinter unseren Ohren, der die Gelassenheit des Sommers davon fegt. Beginnt zu peitschen. Beinahe wehmütig steigen wir nochmal aus dem Wagen und laufen den Waldweg zurück. Stolzieren über den bunten Blätterteppich. Die Bäume entkleidet, nackt mit kahlen Zweigen. Er ist angekommen. Bleibt. Vorerst. Wie so oft im Leben. Wir müssen erst ankommen um die Schönheit zu erkennen.

Ein neuer Tag klopft an die Fensterscheibe. Die Morgensonne die uns weckt. Verschlafen und nur im Nachthemd bekleidet dümpeln wir zum Fenster. Öffnen es und spüren den ersten Frost auf unserem Körper. Erhaschen einen Blick auf den ersten Tau in den Bäumen. Durch weiße Nebelschwaden verdeckt. Der kühle Wind bläst uns eine Gänsehaut über die kaum bekleideten Arme. Jagt uns einen kurzen Schauer über den Rücken. Wir müssen raus. Raus um zu merken, dass es keine Illusion ist. Wir springen in die Pfützen vor der Haustüre und sehen unser Spiegelbild. Ein Spiegelbild von gebeugter Haltung. Sehen uns kaum noch an. Blicken zu Boden um uns zu schützen. Zu schützen vor der Dämmerung und der Erkenntnis, dass die Zeit zu schnell vergeht.

Herbst – wie passt du zusammen? Du bist so kühl und doch so wunderbar. So frostig und doch bunt. Du nimmst uns die Wärme aber gibst uns Besonderes.
Durch deinen würzigen Waldgeruch nehmen wir dich endlich wahr. Wir spazieren über raschelndes Laub, das uns aufweckt. Erinnert, wie schön du doch bist! Du deckst die dunklen Flecken zu mit deinen bunten Blättern. Du lässt Drachen steigen um neuen Mut zu fassen. Das Jahr läuft einen Marathon und wir danken dir für den kleinen Schubs, den wir von dir benötigen. Wir schöpfen zum Endspurt neue Energie um für den Winter bereit zu sein. Den Jahresendspurt anzugehen. Nochmal Gas zu geben. Und mit Begeisterung unsere Früchte zu ernten, die wir das Jahr über gesät haben.

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1 COMMENT
  • ein-kleiner-Blog
    1 Woche ago

    Man sieht, dass der Herbst endgültig da ist, obwohl es draußen noch relativ warm ist.
    LG Elke

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