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Die Sucht nach Reichweite und Followerzahlen

[Werbung, da verschiedene Nennungen]

Ich stehe am Bahnsteig. Wie jeden Abend. Suche minutenlang mein Handy in der viel zu großen Tasche. Versuche die Wartezeit totzuschlagen und starte meine Lieblingsapp. Glaube ich. Ich weiß nicht ob sie das noch ist. Noch sein kann. Ich scrolle durch den Feed, lasse ein paar Herzen da. Kommentiere. Mache das was hier alle machen. Mit Doppeltipp auf das Display zeige ich Beachtung. 3.450 Menschen gefällt das. Sagt die Statistik. Irgendwie fühlt sich das aber nicht mehr richtig an. Eigentlich tut es das schon lange nicht mehr, gestehe ich mir ein. Ein Schamgefühl macht sich breit. Meine Backen werden rot, ich werde unruhig und ich fange an mich für meine Umwelt zu schämen. Wo sind wir hier nur gelandet. Gefangen in einer riesigen Blase auf der Suche nach Bestätigung. Nach Reichweite.

Egal in welche Richtung ich blicke – überall lauern die Fitnessqueens, Fashionvictims, Lifestyle- and Interior Girls. Und wo genau ging es jetzt nochmal zu den wahren Bloggern? Ich meine die, die wirklich Mehrwert anbieten? Die, die Emotionen rüberbringen und bei deren Geschichten du dich fühlst, als wärst du selbst dabei gewesen. Follower kann man kaufen – Content musst du liefern. Content is king. So heißt es doch. Und dazu zählt nicht die Vorstellung deiner neuen Mascara.

Ich kann das ehrlich nicht mehr sehen. Das Zahnpasta-Lächeln auf jedem Bild. Aufgehellt durch Facetune. Um danach in den Kommentaren zu diskutieren, dass das die natürliche Nuance ist. Farblich abgestimmte Outfits mit den vielen glitzernden Accessoires werden abgelichtet am Rande der schönsten Location der Stadt. Für die du dich extra 2 Stunden auf den Weg gemacht hat. Und sobald das Foto im Kasten ist wandert der Look in die Tonne. Und von der Stadt, der Landschaft, haben Sie nichts gesehen. Obwohl das doch so viel mehr bedeutet. Unsere Natur. Unsere Welt.

„Das hattest du jetzt schon einmal an – da muss was Neues her“, sagt sie mit gerümpfter Nase.

„Ja das stimmt. Ich verkauf es auf meinem separaten Kanal. Irgendeine Followerin wird das sicher kaufen. Ich hab es ja schließlich selbst getragen.“

Sie fühlen sich wie Weltstars, bei denen man 2 Wochen vor Ticketverkauf schon an der Schlange gecampt hat. Mit viel Tee im Gepäck bei eisigen Temperaturen. Das Traurige an dieser Sache ist: Sie werden tatsächlich gefeiert wie Popstars. Es gibt Autogrammkarten, überteuerte ‚Meet&Greets‘ bei denen man die Influencer treffen und sogar ein Foto machen darf. Einen eigenen Merch, in denen selbstverständlich der selbst entworfene Hoodie für 80 € den Kindern angepriesen wird.

Ich habe früher immer gerne zugesehen. Habe mich stundenlang durch die unterschiedlichsten Feeds gescrollt, konnte kaum genug kriegen von so viel Perfektion in jedem einzelnen Bild. Die Menschen haben mich inspiriert und interessiert. Doch inzwischen widert mich diese Entwicklung an. Für mich stellt sich das alles als große, neue Sekte dar. Den Drang nach mehr! Herausstechen wolltet ihr – weil ja jeder so einzigartig ist. Doch wer ist noch einzigartig wenn alle dasselbe tun? In welcher der vielen Markentaschen ist der Charakter, das wahre Ich, verlorengegangen? Wo sind eure wahren Gesichter geblieben? Ohne Sponsoring.

Verrückt. Und unaufhaltsam. Denn so funktioniert das eben. Kleine Mädchen spielen nicht mehr mit Puppen und flechten sich keine Zöpfe. Sie zücken ihre Smartphones, teilen sich die Kopfhörer und checken euer neuestes MakeUp-Tutorial. Absurd. Wo sind die Kinder von damals? Als es noch das größte war Sandkuchen zu bauen und auf der Schaukel über der Erde zu schweben. Schwerelos. Zu träumen von einem tollen Job als Tierärztin oder Feuerwehrmann. Wir haben Süderhof und die Pfefferkörner angeschaut. Heute möchten alle Kinder Youtuber werden. Influencer. Weil euer Leben scheinbar nur aus Zuckerwatte und Karamellbonbons besteht. Angeblich. Die Maske drauflassen damit nichts bröckelt. Schön den Schein wahren von einem perfekten Leben. Bis die Fassade eines Tages zerfällt.

Und so verstreicht Tag für Tag mein Interesse an der socialmedia-Welt. Meine Ablehnung für dieses widerliche Konstrukt wächst. Dieses Netz, dass mal so klein war und sich jeden Tag vermehrt. Wie sich die Fäden immer mehr in alle Richtungen verflechten. Ich ertappe mich dabei wie ich beginne wegzuklicken. Eure Storys überspringe. Ich klicke weiter. Klick. Immer und immer wieder. Weil sich euer Leben nur noch wiederholt. Jeder Clip. Stop. Repeat. Stop. Repeat. Ich möchte nicht bei jedem Account die selbe Mode sehen, die sich kein Normalverbraucher leisten kann. Auch nicht mit Rabattcode. Ich möchte keine ‚Wake-up-morning-routine‘ mit Kokos-Body-Scrub – denn ich weiß wie ich mich morgens fertig machen muss um mich wohl zu fühlen. Ich möchte kein Unboxing eurer GOODIEBAGS und verdammt nochmal möchte ich erst recht keinen Detox-Tee!

Wahrhaftig und authentisch. Das kriegen wir alle ständig zu hören. Alle sind so unglaublich busy und wissen nicht wie sie ihre Termine planen sollen. Shoppen, Maniküre, Friseurbesuch, das ein oder andere Shooting für die Werbetrommel. Gewinnt dies, gewinnt das. Bullshit. Hattet ihr jemals einen 40-Stunden Job? Dann wisst ihr dass all‘ diese Dinge zur Freizeit gehören. Zeit, die sich jeder Arbeitnehmer separat nehmen muss. Also hört auf rumzujammern.

Ich habe nachgedacht. Bei all‘ der Masse an „Personen der Öffentlichkeit“ fallen mir exakt zwei Mädels ein, die für mich nach wie vor authentisch sind. In denen ich mich wiederfinde. Die ihr Leben mit der Öffentlichkeit teilen aber sich nicht selbst verloren haben. Die sich nicht dem Fraß hergeben. Und die sich verdammt nochmal ihre eigene Meinung nicht verbiegen lassen.

Es werden Locations empfohlen. Und alle reisen wie wild hinterher. Wollen selbst nichts Neues entdecken. Keine Abenteuer erleben. Bloß keinen Fußabdruck hinterlassen.

„Oh Sweetie, in Paris gibt es diese eine Straße zwischen dieser man den Eifelturm sieht. Wir müssen dort unbedingt ein Foto machen! Das hat momentan jeder auf seiner Page. Es ist so in! Damit erreiche ich bestimmt meine 30k“

„Lass uns zu starbucks gehen dann können wir mit dem hippen Becher ein super cooles Bild machen.“

„Festival? Ich hasse Festivals. Aber ich muss unbedingt zum Burning-Man! Da kann man so coole Bilder in der Wüste machen.“

Merkt ihr noch wer ihr seid? Merkt ihr nicht wie ihr euch verbiegt? Irgendwie gerät das alles aus den Bahnen. Entgleist. Wo sind die geliebten Popstars hin von früher? Britney Spears, die Backstreet Boys. Heute sind es ‚Influencer‘ – allein der Erfinder dieser Bezeichnung verdient die goldene Himbeere. Aber es ist die Wahrheit. Ihr beeinflusst die Jugend von heute. Ihr vermittelt völlig falsche Werte! Ist es etwa normal das neueste Handy zu besitzen? Ist es normal, dass 10-jährige Mädels mit Crop-Tops und Markenkleidung herumlaufen? Ist es normal, seinen Mitmenschen weiß machen zu wollen die Followerzahlen bedeuten irgendetwas im Leben? Wer gibt überhaupt jemanden das Recht über eine Zahl der Follower zu bewerten?

Es ist traurig. Früher da habe ich andere Blogs so gerne gelesen. Es war nicht mainstream, keine Werbefläche. Heute siehst du überall nur Kopien. Ein Mensch gleicht dem anderen weil sie alle dasselbe tun. Vielleicht wird es eines Tages kein Instagram mehr geben. Vielleicht macht der Laden einfach dicht. Was passiert dann mit euch allen? Gestrandet am Straßenrand. Womöglich kommt ihr danach wieder im realen Leben an. Und tief im Inneren wünsche ich mir das irgendwie. Wenn man sich nur noch den ganzen Tag mit seiner Reichweite beschäftigt, die das böse Instagram einschränkt, dann hat man wirklich seinen Lebensinhalt verloren.

[Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Die Mehrheit überwiegt hier allerdings meiner Meinung nach.]

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15 COMMENTS
  • Tatiana
    4 Wochen ago

    Hey Jasmin,
    das ist echt ein anregender Post. Ich bin auch ziemlich angefressen vom ganzen Social-Media-Hype, obwohl ich da selbst schön mitmache. Wobei ich nicht glaube, dass es an der Perfektion oder der Beliebigkeit der Accounts liegt – ich denke, auch die Gegenbewegung der #mehrrealitätaufinstagram-Jünger wird irgendwann nerven. Kanäle wie Facebook oder Instagram sind einfach von Natur aus pure Unglücklichmacher, zum einen wird man darauf konditioniert, sich über Likes zu freuen, zum anderen filtern Algorithmen den Feed so, dass man letztendlich mit leichter Unzufriedenheit zurückbleibt – irgendwo auf der Welt ist immer jemand schöner, klüger, besser. Ich hab letztens ein gutes Buch von Jaron Lanier über das Thema gelesen, kann ich nur empfehlen: “10 Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst”. Hab ich zwar noch nicht, aber wer weiß… 😉
    Liebe Grüße
    Tatiana

  • Hallo Jasmin,
    Danke für deinen Beitrag, du sprichst mir aus der Seele. Instagram ist für mich auch einfach nur noch eine große Fakewelt. Früher habe ich mich für Social-Media nicht sonderlich Interessiert. Als ich den Blog mit meiner Freundin gestartet habe und wir auf Reisen gegangen sind haben wir natürlich auch mit Instagram angefangen. Es machte mir wirklich Spaß Fotos zu posten und anderen zu folgen. Doch mittlerweile wiederholt sich alles nur und die Authentizität geht zusehens auf Instagram verloren. Mittlerweile poste ich nur noch wenn ich Lust dazu habe und mir ist es egal, was der Rest auf Instagram macht.
    Liebe Grüße, Steffen

  • Lisa
    4 Wochen ago

    Hallo,
    also ich persönlich mag diese „gekünstelten“ Accounts nicht besonders. Ich folge hauptsächlich kleineren Nischen-Accounts. Allerdings mag die Mehrheit dann wohl doch lieber die großen Influencer. Man muss sich ja bloß Follower- und Interaktionszahlen ansehen. Nunja – jeder wie er mag 😉
    Liebe Grüße, Lisa

  • Avaganza
    4 Wochen ago

    Ich sehe das ähnlich wie du. Die meisten Blogs sind nur mehr Werbeflächen. Alles aalglatt … kaum jemand zeigt Ecken und Kanten oder schreibt über Dinge die ihn wirklich bewegen. Auch selbstgekaufte Dinge sucht man bei den meisten Blogs vergeblich. Ich selbst blogge neben meinem Job und schaue dass ich mit wenig ausgesuchten Sponsored Posts meine eigenen Kosten (Fotografen ect.) abdecke … aber zu 99% kaufe ich mir alles selbst und werde mir diese Unabhängigkeit in diesem ganzen Zirkus bewahren. Ich schreibe worüber ich will … und nur über Produkte und Dienstleistungen die ich selbst mag und hinter denen ich stehe. Ich denke ein bisschen mehr Authentizität würde der Blogger Community nicht schaden.

    Liebe Grüße
    Verena

  • Martina
    4 Wochen ago

    Liebe Jasmin, herzlichen Dank für deinen wunderbaren Artikel!

    Er liest sich toll und auch ich muss dir in vielen Punkten zustimmen.
    Ich bin auch auf Facebook, Instagram, Twitter & Co. Aber hauptsächlich mit unserem geschäftlichen Profilen.
    Ohne geht einfach heutzutage nicht mehr.
    Und ja, es artet echt in Arbeit aus. So wundere ich mich oft, wie das manche neben dem Job noch schaffen…
    Einzelnen Personen oder XYZ Promis folge ich so gut wie garnicht.
    Und diesen Influencer Hype der Jugend kann ich so schwer nachvollziehen…
    Zwar ist nicht immer alles wie es früher war besser, aber ich finde es auch traurig, dass Teens sich so verzweifelt an diesen teils Plastikpuppen messen. Natürlichkeit ist echt selten, leider.
    Und jeder möchte besser, schöner und reicher sein.
    Und der Follower Kampf ist schon bitter.
    Schwierig, wo wird das wohl noch hin führen.
    Erwische ich mich ja immer wieder selbst dabei, dass ich einfach viel zu oft mein Handy zucke und nach sehe ob wir neue Follower haben und bin ganz verzweifelt wenn es manchmal sogar weniger werden.
    Doch wie schon erwähnt – besonders im E-Commerce, wie bei uns, sind wir irgendwie auch davon abhängig.
    Ein Teufelskreis.

    Lieben Gruß, Martina von http://www.stielreich.at & http://www.stielreich.at/blog

  • Natascha
    4 Wochen ago

    Hallo,
    danke für deinen Beitrag. Ich habe ihn sehr gerne gelesen und stimme deiner Meinung zu. Ich habe Instagram damals z.B. angefangen, um meine Abnehmstory zu teilen und andere Menschen damit zu ermutigen, auch etwas zu verändern. Dinge ändern sich und Bilder, die früher gerne gesehen worden, interessieren heute nicht mehr. Es muss alles perfekt sein, sonst findet man keine Beachtung. Ich habe eine feste Kooperation und da wurde ich letzte Woche als “Influencer” bezeichnet. Das hat sich für mich sehr komisch angefühlt, sowas bin ich nicht. Ich bin einfach eine Mama, die ihr Leben in Auszügen auf Instagram zeigt. Ich hatte, habe und werde nie ein so starkes Wachstum an Followern haben, weil ich meine Prinzipien habe und nicht nach irgendwelchen Trends handle, welche gerade in sind. Mein Mann würde mich verrückt halten, wenn er in das bestimmte Cafe oder zu dem bestimmten Platz mit mir gehen und ein Foto machen müsste.

    Gruss
    Natascha

    • JasminJuin
      4 Wochen ago
      AUTHOR

      Vielen Dank für deinen Kommentar liebe Natascha. Das ist das ausschlaggebende Wort “Prinzipien”…

  • Tabea
    4 Wochen ago

    Liebe Jasmin,

    ich bin wahrscheinlich eine von denjenigen, deren Accounts Du niemals folgen würdest. Ja, ich beschäftige mich mit Mode, weil es einfach meine Leidenschaft ist. Ich habe einen mini-kleinen Blog und auch den dazu passenden Instagram-Account. Ich bin allerdings eine so kleine Nummer, dass ich gar keine Rolle spiele. Ich macht das, weil es mir Spaß macht. Meine Sachen kaufe ich zu 99% selbst und trage sie definitiv nicht nur für die Bilder, denn ich möchte mich nicht verstellen. Ich bin nicht schlank und nicht jung und möchte eigentlich meinen Followern nur mitteilen, dass sie Spaß an Mode haben sollen, das tragen, was sie möchten und nicht irgendwelchen Idealen hinterherlaufen.
    Verstehe mich nicht falsch, ich finde Deinen Beitrag super! Denn ich gehöre nicht zu denjenigen, die unbedingt schlank und schön sein wollen. Dieser Wahn geht mir ehrlich gesagt ziemlich gegen den Strich. Es werden junge Frauen mit Konfektionsgröße 38 als dick bezeichnet, Bilder so bearbeitet, dass man nicht mehr wirklich erkennbar ist. Den Trend halte ich für sehr gefährlich. Und das ist nur einer, der sich im Internet breit macht.
    Ich selbst habe für mich beschlossen, Instagram zwar noch zu nutzen, aber wirklich im Rahmen. Die Zeit, die ich dort verbringe, kann ich für nützlichere Dinge gebrauchen. Und neben einem Vollzeitjob ist die Freizeit sehr kostbar.
    Ach, ich könnte über dieses Thema noch stundenlang schreiben.
    Aber lass Dir gesagt sein, generell bin ich auf Deiner Seite 🙂

    Viele liebe Grüße,

    Tabea
    von tabsstyle.com

    • JasminJuin
      4 Wochen ago
      AUTHOR

      Vielen Dank Tabea für deine ehrliche Meinung.
      Natürlich gibt es auch Fashionblogger wie dich, die nicht dem Wahn verfallen sind. Das finde ich toll! Du machst das aus Freude und nicht zwecks des Ruhms oder sonstiges. Und ja .. bzgl. des Schönheitswahnes werde ich wohl bald auch einen neuen Beitrag schreiben.

  • Duni
    4 Wochen ago

    Meine Liebe ♥ Durch deinen lieben Kommentar auf dem Blog, bin ich jetzt auch auf deinen Artikel gestoßen und ich MUSS einfach jetzt auch ein paar Worte hinterlassen, als eine von denen, die zwar “Influencer” genannt werden, aber es eigentlich gar nicht möchten. UND obwohl ich durch meinen 40h Job eigentlich kaum Zeit habe :’D Offiziell natürlich *hust* *hust*

    Wahre Worte von dir! Ich glaube so fühlt sich zwangsläuftig irgendwann jeder, der sich mit Social Media mehr beschäftigt aber keine 160k+ Follower hat. In den letzten Wochen hatte ich immer öfter den Gedanke – oder sogar Wunsch – Instagram würde einfach aufhören zu existieren. Für jeden. Natürlich bringt die App unglaublich viele positive Dinge mit sich, wie zum Beispiel eine super Community an tollen Menschen, aber manchmal wünsche ich mir die gute, alte Bloggerzeit zurück. Es war wesentlich entspannter und hatte dafür aber viel mehr Inhalt…

    Wenn man sich die neusten Veränderungen in der App anschaut wird es eh nicht mehr lange dauern bis Instagram genauso untergegangen ist wie Facebook. Die Influencer, von denen du geredet hast, wachsen ins Unermessliche und es wird einfach weiterhin so viel Werbung reingepumpt, bis auch der Letzte kein Bock mehr drauf hat. Aber solange es noch dort noch Menschen gibt, mit denen man lachen kann und die einem ein gutes Gefühl geben, hat die App noch etwas Gutes und einen Mehrwert. Man muss sich davon nur immer wieder distanzieren schätze ich, sonst verschlingt einen das ganze Reichweiten-Getue und man vergisst sein Leben 1.0 – das viel, viel wichtiger ist.

    Anyway: Ich fand deinen Artikel klasse ♥ Ich persönlich folge überhaupt keinem Fashion- / Beautyblogger, muss ich gestehen. Aus genau den Gründen, die du genannt hast. Aber das ist natürlich alles Geschmacksache 🙂

    Fühl dich lieb gedrückt ♥
    Deine Duni

    • JasminJuin
      4 Wochen ago
      AUTHOR

      Vielen Dank liebe Duni <3 Gestern hatte ich ja kurz Hoffnung, als instagram für einige Zeit nicht bei jedem erreichbar war 😉

  • Maike
    4 Wochen ago

    Liebe Jasmin,

    danke für diesen tollen Beitrag. Ein Highlight in dieser Woche und dabei hat die gerade erstmal angefangen!

    Ich selbst habe natürlich auch einen Instagramkanal, einen Twitter-Account und auch Facebook kennt mein Gesicht. Ein Sternchen am Social-Media Himmel bin ich allerdings nicht. Noch nicht mal ein ganz klitzekleines. Dabei glaube ich, dass ich es sogar schaffen könnte, weiter oben mitzuspielen, wenn ich nur bereit dazu wäre, mich bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen, doch das bin ich nicht. Zu mir gehört so viel mehr als nur eine blöde kleine Nische, in die man sich angeblich quetschen muss, um in der Onlinewelt erfolgreich zu sein. Ich bin mehr als in irgendeine Schublade passt und es macht mich verdammt traurig, dass dieses “Mehr” nicht zählt. Dass es egal ist.

    Wundern tut es mich allerdings nicht, denn so traurig es ist: wir leben in einer Leistungsgesellschaft und wie lässt sich Leistung einfacher bewerten als anhand von Zahlen und materiellem Scheiß? Wieso mal etwas genauer hinschauen und sich dafür interessieren, was den Menschen uns gegenüber wirklich ausmacht, wenn wir es uns doch einfach machen und nur die Zahlen anschauen können? Zahlen lügen schließlich nicht, oder? Und so definieren wir uns über Erfolg, Besitz und Äußerlichkeiten, anstatt über die Dinge, auf die es wirklich ankommt.

    Auf meinem Bücherblog “Kunterbunte Flaschenpost” habe ich vor einer Weile einen Brief an einen alten Freund online gestellt und darin geschrieben:

    “Man sagt, in diesen Momenten zieht das gesamte Leben an einem vorbei, keine Ahnung, ob das stimmt. Doch falls ja, alter Freund, möchte ich nicht sehen, wie ich geackert und funktioniert habe, wie ich immer brav Ja gesagt und mich selbst in Ketten gelegt habe. Ich möchte Bilder vor meinem inneren Augen sehen, auf denen ich lache, herumalbere, mit knallroten Gummistiefeln durch Pfützen springe, Schneeengel mache, im Sommer Wasserbomben werfe und Cocktails schlürfend in den Sonnenuntergang schaue. Ich möchte sehen, wie ich springe, falle, aufstehe, lebe. Glücklich bin.

    […]

    Wann brechen wir endlich aus und tanzen wieder im Regen? Wann sind wir wieder albern und leben den Moment? Wann sind wir wieder wild, wilder, am wildesten? Wann sind wir wieder wir und mit den kleinen Dingen zufrieden? Wann sind wir wieder mutig und gehen Risiken ein? Wann fangen wir endlich wieder an, für uns und nicht für die Gesellschaft zu leben?”

    Ich habe damit angefangen. Zu sagen, dass das einfach ist und man sich diese Freiheit nicht tagtäglich erkämpfen muss, wäre gelogen, denn überall warten die Motzmäuler, die Juroren und verschlossene Türen, aber es lohnt sich. Es tut gut, sich mit sich selbst zu beschäftigen, aus dem Bauch und dem Herzen heraus ganz spontan zu entscheiden, Blödsinn zu machen, sich selbst mal wichtiger zu nehmen als Welt und Nein! zu sagen. Ich muss da zwar auch immer noch viel lernen und mich häufig selbst ermahnen, aber das ist okay. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und solange ich mein Ziel, ein freies Leben ohne Maske, nicht aus den Augen verliere, bin ich auch mit kleinen Schritten und Stolpersteinen zufrieden. Hauptsache, es ist echt.

    Ganz liebe Grüße,
    Maike

    • JasminJuin
      4 Wochen ago
      AUTHOR

      Liebe Maike,
      ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen und mir mit deinem Kommentar eine Gänsehaut bereitet hast. Das Zitat aus dem Brief an einen Freund ist wunderwunderschön und so echt! Ich hoffe einfach, dass die ganzen Mädels und alle die sich in irgendeiner Art verbiegen lassen es, natürlich, zu erst einmal selbst erkennen und dann anfangen ihr Leben wieder zu leben. So zu sein wie man ist. Spaß zu haben ohne ständig jeden daran teilhaben zu lassen. Und aus den Situationen Fotos entstehen, die dich in einer so ungünstigen Pose ablichtet dass man Tränen lacht.
      DANKE für deine Worte. ich freue mich so sehr, dass dieser Beitrag positiv ankommt!

  • Sana
    1 Monat ago

    Hallo 🙂
    Ich kann deine Meinung total nachvollziehen. Fashionblogs habe ich nie verfolgt, einfach weil mich Mode nicht interessiert, aber dafür Fitnessblogger, und oh mein Gott, unter all diesen falschen Menschen jemanden zu finden, der sich traut, seinen Po mit all den ,,Beulen” zu posten, die er hat, ist wirklich wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Es gibt sie, und die verfolge ich auch wirklich gerne, denn sie sind menschlicher und zeigen, dass man nicht erst dann beim Sport erfolgreich ist, wenn man ein Sixpack und Berge an Muskeln hat, sondern wenn man sich gut damit fühlt und mehr Ausdauer, mehr Kraft etc. aufbaut. Und das sind die Leute, die ihre Follower positiv beeinflussen wollen, im Gegensatz zu denen, die nur zeigen wollen ”Schaut, was ich habe, wo ich bin, wie perfekt alles scheint!”.
    Dein Beitrag ist echt super, und vor allem gut geschrieben :3

    Liebe Grüße,

    Sana

    • JasminJuin
      4 Wochen ago
      AUTHOR

      Liebe Sana,
      ich danke dir für dein positives Feedback – das freut mich sehr 🙂 Dein Beispiel der Fitnessblogger kann ich absolut unterschreiben. Frauen und auch Männer die zeigen ‘Hey ich habe hier und da Cellulite aber ich fühle mich trotzdem wohl’ – ja das zeigt das wir alle nur Menschen sind und keine Knetfiguren.

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